Archiv nach Monaten: Januar 2008

Das übliche Vorgehen bei der Umsetzung eines Projektes führt im Laufe der Zeit zu einer eher längeren Featureliste, die aus inhaltlicher Sicht ein Spiegel der gewünschten Plattform sein soll. Über eine Priorisierung von einzelnen Funktionen wird zusätzlich eine Aussage getroffen, wie wichtig eine Funktion für die Plattform ist. Aber was bedeutet wichtig in diesem Zusammenhang? Wichtig ist eine fröhlich komponierte Aussage zur Relevanz für verschiedenste Themen: Verfolgen der Vision, Umsetzung der Strategie, operativer/wirtschaftlicher Erfolg, Reputation bei den Nutzern, Aufbau bzw. Stützen einer Marke, Benutzbarkeit der Plattform und vieles mehr. Das Dilemma zeigt sich meist erst am Ergebnis der Umsetzung, frei nach dem Motto: „Ohje, wir müssen uns fokussieren.“. Dieser Prozeß ist wahrscheinlich ganz natürlich, so dass jedes Projekt dies Phase durchläuft. So nun auch wir.

Die Frage nach der richtigen Infrastruktur für unsere Plattform beschäftigt mich noch immer sehr. Nach meinem interessanten und angeregten Informationsaustausch kreisen die Gedanken um Hoster und Streaming-Provider noch viel stärker in meinem Kopf, hinzu kamen noch die Erlebnisse mit Telco’s und ISP für den Anschluß unseres neuen Offices. Was ist eigentlich das Problem und was ist seine Struktur? Wenn ich es kurz fassen soll, ist es, dass ich lose Enden in der Hand halte und diese nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen kann, da ich das notwendige KnowHow nicht habe. Lösung: „… sich mal schlau machen …“. Auf geht’s zur Suche nach der Struktur im Telko- und ISP-Dschungel. Was sind eigentlich Tier1-Provider? Was ist eine AS-Nummer? Was geschieht an den Interconnects, wie DE-CIX? Wie ist das Peering auf den verschiedenen Ebenen organisiert? Was ist Dark-Fibre-Handel? Tolle Fragen und Wikipedia hat hierzu viele Inofrmationen und Links – Lesenswert!

Das Drama eines Prototypen. Projekte bleiben Projekte, das ist eine wesentliche Erkenntnis. Trotz aller Planungen, Meetings und schriftlicher Kommunikation unterliegt ein Projekt dem ständigen Wandel durch die Beteiligten und nun kommt was immer kommen muss: Bestimmte Dinge entsprechen nicht mehr den Vorstellungen aller oder werden nicht fertig. Das ist doch nichts neues und dennoch erschrecken wir immer wieder. Klar, es versucht jeder diese Situation zu vermeiden, aber es liegt in der Natur der Sache, dass es zu Missverständnissen und zu Problemen im Projekt kommt. So nun auch in unserem Projekt. Unser Projektplan versprach uns die Fertigstellung eines Prototypen am Freitag dieser Woche, die Realität sagt uns, dass es nicht so kommen wird. Schnell wird nach dem vermeitlichen Grund geforscht und jemand dafür ans Kreuz genagelt. Fertig. Mmm, nichts ist fertig, außer das Team.  Niemand wollte denn Termin reißen, alle haben sich engagiert, nur gab es ein „kleines“ Missverständnis und das Kartenhaus fiel zusammen. Zwischen Menschen gibt es Missverständnisse und wir müssen die Erwartung, dass es diese nicht gibt, lieber aufgeben.

Kann es denn so schwierig sein einen Hoster für unsere Online-Plattform zu finden? Die Frage ist nicht trivial und die Antwort erst recht nicht. Heute bin ich dieser Frage mal im Detail nachgegangen und habe dazu einen lieben alten Kollegen zum Gedankenaustausch getroffen. Nach einer ausführlichen Schilderung, was diese Plattform den eigentlich anbieten werde, kamen wir zu den Details und Besonderheiten. Gibt es etwas technisch Besonderes an unserer Plattform? Mmm, nein. Trotzdem gibt es im Deutschen Markt keinen Hoster der Erfahrungen und Referenzen im Umfeld von  Ruby-On-Rails-Plattformen vorweisen kann.  Kurz und knapp, man ist hier auf sich allein gestellt, nach dem Motto : „Hier ist der Server, er läuft, und nun viel Spaß damit.“. In den USA gibt es schon ein paar anerkannte Spezialisten wie http://engineyard.com/ oder http://railsmachine.com/ , in Europa sieht das schon ganz anders aus. Warum also nicht selber machen, ein paar Maschinen in einen Schrank stecken, Internet dran und fertig? Genau an diesem Scheideweg stehen wir nun, alles selber machen oder einen Profi in den USA alles remote machen lassen. Vorschläge?

Der Montag beginnt mit dem Planungsmeeting für die Tasks dieser Woche. Eigentlich ein Grund zur Rückschau auf die bereits fertiggestellten Dinge und ein fröhliches „Frisch-ans-Werk“ für die Realisierung der neuen Funktionen. Soweit die Theorie. In unserer momentanen Situation werden aber leider die Aufgaben nie komplett abgeschlossen, aus vielerlei Gründen: Es gibt noch kein Design; Funktionen sind noch unklar; HTML ist noch nicht gebaut. Der ganz normale Projektwahnsinn, aber jetzt nur nicht nervös werden. Am Ende des Planungsmeeting finden sich über 30 Tickets (=Funktionen) die in diese Woche realisiert werden müssen und wir haben erst 25% des Designs fertig. Jetzt mal flott und immer schön nach vor schauen.

Freitags ist für das Projekt ein kleiner Tag der Wahrheit. Das Team schaut auf die vergangene Woche, das Geschaffte und plant das Vorgehen und die Aufgaben für die nächste Woche. Diese Woche war recht turbulent. Der Gestaltungansatz wurde nocheinmal komplett überarbeitet, so dass man von einem völligen Neuanfang sprechen möchte. Die gute Seite daran, die Umsetzung für die Frontend-Programmierung hat sich deutlich vereinfacht, die schlechte Seite, es ist noch nichts fertig. Diese Projektsituation gab es ja schon häufig in der Vergangenheit – also nur nicht nervös werden. Ich bin nicht nervös!

Fast beiläufig erreicht mich heute eine Mail mit ganz neuen Gestaltungsentwürfen aus dem forst gehege. Oh, alles wird neu, jetzt in grau, magenta und mint. Naja, mein Geschmack ist das ja nicht. Oh, und was bedeutet das für die Frontends – mmm, mal nachdenken – alles nochmal … ja, alles nochmal. Das kann nicht gut für den Projektfortschritt sein. Aber das Ganze hat natürlich auch seine guten Seiten: ersten wir alles einfacher, zweitens geht alles schnell und drittens wird alles gut. na dann.

Video-Streaming heißt das Thema und klingt ersteinmal völlig unspektakulär. Dennoch verbirgt sich hinter diesem „Video anzeigen im Internet“ eine vielschichtige Angelegenheit. Zu bestimmte Dinge wie Bandbreite und Video-Codec haben wir alle eine gewisse Vorstellung, aber wenn es in die Details geht sollte man lieber mal jemanden fragen. Ich hatte dazu heute in Frankfurt Gelegenheit. Nach einer kleinen Bahn-Odyssee mit 90 Minuten Verspätung konnte ich in einer Fragen-und -Antworten-Runde mit Xvid und Lansco wichtige Erkenntnisse auf diesem Gebiet sammeln. Welcher Codec mit welchem Player über welches CDN? Alles selbermachen oder alles bei einem Großen einkaufen? Leider gibt es hier wiedermal nicht schwarz und weiss, sondern nur eine lange Liste von Vor- und Nachteilen. Somit bleibt der Ausgang dieser Geschichte erstmal offen.

Auch an diesem zweiten Montag im Projekt beginnt der Tag mit einem Planungsmeeting für die vor uns liegende Woche. Die Railsentwickler haben mal einen Schlag vorgelegt der uns sehr ermutig, die funktionalen Anforderungen scheinen sich einfach und schnell umsetzten zu lassen. Die schlechte Nachricht ist, dass in Punkto Gestaltung außer ein paar keinen Umsetzungsansätzen im HTML noch nichts fertiggestellt ist. Bedeutet: Viele Funktionen ohne Frontend und damit ohne Funktion. Fortschritt ist nahe Null. Aber in dieser Woche soll es nun voll losgehen. Die Design sollen uns nur so um die Ohren fliegen – Jawohl!  Wir hoffen alle drauf.

Auftritt des neuen Design-Teams. Dank guter Kontakte von den mindmatters konnten wir sehr kurzfristig ein neues Design-Team von unserem Projekt begeistern. Die Jungs von FORST diskutierten heute mit uns die aktuelle Gestaltung und mögliche Ansätze zur „Anpassung“. Die Meinung war wie erwartet: „Alles neu bitte.“. Nach etwas hin und her und beiderseitigen Vorschlägen konnten wir uns schließlich auf einen gemeinsamen Weg einigen. Morgen gibt’s ‘nen Gestaltungsvorschlag der Bestehendes berücksichtigt und neue Anpassungen aufnimmt. Man darf gespannt sein.